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  •  VHDL13 DWLI 192033 Deutscher Wetterdienst Wetter- und Warnlage für Thüringen ausgegeben von der RWB Leipzig am Samstag, 19.06.2021, 22:33 Uhr Hitze und zunehmende Gewittergefahr. Wetter- und Warnlage: Mit dem Herannahen von Tiefausläufern aus Westen gelangen zunehmend feuchtwarme und zu Gewittern neigende Luftmassen nach Thüringen. GEWITTER: In der Nacht zum Sonntag nachlassende Gewitteraktivität, dennoch am Morgen einzelne starke Gewitter mit Starkregen um 20 l/qm in kurzer Zeit und Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) wahrscheinlich. Am Sonntagnachmittag zunächst örtliche starke Hitzegewitter, in der Nacht zum Montag schwere Gewitter mit großem Hagel, orkanartigen Böen und heftigen Starkregen um 35 l/qm. Unwetter! HITZE: Am Sonntag starke Wärmebelastung. Hinweis: Aufgrund vorangegangener Trockenheit regional hohe Waldbrandgefahr. Detaillierter Wetterablauf: In der Nacht zum Sonntag zunächst gering bewölkt. In der zweiten Nachthälfte von Westen starke Bewölkung mit örtlichen Schauern und Gewittern. Temperaturrückgang auf 21 bis 17 Grad. Abseits von Schauern und Gewittern schwachwindig. Am Sonntag anfangs stärkere Wolkenfelder und einzelne Schauer, vereinzelt gewittrig, im Vormittagsverlauf endend. Im weiteren Tagesverlauf größere Auflockerungen und längere Phasen mit Sonnenschein. Am Nachmittag einzelne Hitzegewitter. Am Abend von Südwesten her aufkommend starke Bewölkung und schwere Gewitter mit Hagel und schweren Sturmböen. Höchsttemperaturen 30 bis 34, im Bergland 26 bis 29 Grad. Schwacher Wind aus südlichen Richtungen, in Gewitternähe stark böig auffrischend. In der Nacht zum Montag stark bewölkt. In der ersten Nachthälfte von Südwest nach Nordost ziehende schwere Gewitter örtlich mit großem Hagel und verbreitet schweren Sturmböen. Unwetter wahrscheinlich! In der zweiten Nachthälfte abziehende Unwetter aber verbreitet noch Regen, der zum Morgen hin endet. Tiefstwerte zwischen 19 und 16 Grad. Von Süd auf West drehender Wind, abseits von Gewittern meist schwach. Am Montag meist stark bewölkt, dazwischen auch etwas Sonne und wiederholt Schauer, vereinzelt gewittrig. Höchstwerte 24 bis 28, im Bergland 22 bis 25 Grad. Schwacher bis mäßiger Wind aus West. In der Nacht zum Dienstag abflauende Schauer und Gewitter. Tiefstwerte zwischen 17 und 12 Grad. Schwachwindig. Am Dienstag stark bewölkt, wiederholt Schauer und Gewitter. Maximal 22 bis 25, im Bergland 19 bis 23 Grad. Abseits der Schauer und Gewitter schwacher Wind um West. In der Nacht zum Mittwoch nur zögerlich nachlassende Schauer und Gewitter. Tiefstwerte 16 bis 13 Grad. Schwachwindig. Deutscher Wetterdienst, RWB Leipzig, Cathleen Hickmann 
     VHDL30 DWLI 192033 WARNLAGEBERICHT für Thüringen ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst am Samstag, 19.06.2021, 22:33 Uhr Hitze und zunehmende Gewittergefahr. Wetter- und Warnlage: Mit dem Herannahen von Tiefausläufern aus Westen gelangen zunehmend feuchtwarme und zu Gewittern neigende Luftmassen nach Thüringen. GEWITTER: In der Nacht zum Sonntag nachlassende Gewitteraktivität, dennoch am Morgen einzelne starke Gewitter mit Starkregen um 20 l/qm in kurzer Zeit und Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) wahrscheinlich. Am Sonntagnachmittag zunächst örtliche starke Hitzegewitter, in der Nacht zum Montag schwere Gewitter mit großem Hagel, orkanartigen Böen und heftigen Starkregen um 35 l/qm. Unwetter! HITZE: Am Sonntag starke Wärmebelastung. Hinweis: Aufgrund vorangegangener Trockenheit regional hohe Waldbrandgefahr. Deutscher Wetterdienst, RWB Leipzig, Cathleen Hickmann 
    SXEU31 DWAV 191800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 19.06.2021 um 18 UTC Markante Wettererscheinungen: In der Nacht von Frankreich organisierte Gewitter mit erhöhter Unwettergefahr, am Sonntagvormittag im Norden und Nordosten auslaufend. Spätestens morgen Abend im Südwesten der nächste fette Brummer, in der Nacht zum Montag nordostwärts ziehend. Ab Wochenanfang zurückgehende Temperaturen, nur im Osten am Montag noch heiß. Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC ------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland inmitten einer schwammigen, tendenziell aber zyklonal angehauchten Druckverteilung. Im Grunde handelt es sich um eine großräumige, von Südwesteuropa bis nach Skandinavien reichende Tiefdruckrinne, in der das über Frankreich positionierte flache Tief ULFERT eine prominente Rolle einnimmt. Es zieht bis morgen früh in Richtung Zuiderzee, wobei es von einem scharf geschnittenen KW-Trog begleitet wird, der auf seiner Vorderseite ´ne Menge zyklonaler Vorticity advehiert. Die daraus resultierende synoptisch-skalige Hebung weist ihren Schwerpunkt zwar weiter westlich auf (heute schon fette Gewitter mit bestätigtem Tornado in Frankreich), gleichwohl färbt sie auch auf Teile des Vorhersageraums ab. Damit stehen vor allem die westlichen und nordwestlichen Landesteile, evtl. auch noch die westliche Mitte vor einer unruhigen Nacht, in der von Frankreich her etwa gegen Mitternacht ein organisierter Gewittercluster bzw. -linie übergreift, der mit allen Wassern gewaschen ist. Die PPWs steigen z.T. auf über 40 mm, was bei leidlicher Labilität MU-CAPE bis 1000 J/kg, teils auch noch darüber zur Folge hat. Dazu gesellen sich veritable Scherungsbedingungen, bei denen insbesondere die LLS mit rund 15 m/s und ausgeprägter Richtungsscherung ins Auge fällt. In Korrelation mit dem stark absinkenden HKN und vor allem nach Norden hin reichlich vorhandener Helizität (über 300 m²/s²) sind sogar stark rotierende Formationen bis hin zu Tornados denkbar. Ansonsten gilt es sich mit größerem Hagel (bis zu 5 cm), Starkregen von locker über 25 l/qm innert kurzer Zeit sowie (schweren) Sturmböen 9-10 Bft, evtl. sogar orkanartigen Böen auseinanderzusetzen. Eine entsprechende Vorabinformation wurde am Vormittag geschaltet und am Nachmittag nach Sichtung neuerer Läufe hochauflösender Modelle nach Osten erweitert. Der Rest ist Nowcasting, wobei aufgrund der hoffentlich ausgeprägten Struktur des Clusters mit einer soliden, nicht zu knappen Vorlaufzeit bei der Ausgabe von Gewitterwarnungen operiert werden kann. Sonntag ... verbleiben wir auf der Vorderseite des über Westeuropa respektive dem nahen Atlantik positionierten Höhentrogs, der über ein abgeschlossenes Drehzentrum über der Biskaya verfügt. Mit Abzug des o.e. KW-Troges nimmt die südwestliche Höhenströmung vorübergehend eine leicht antizyklonale Krümmung ein, die zumindest tagsüber für relativ gedämpfte konvektive Aktivitäten sorgt. Auf alle Fälle kreuzt der gute ULFERT die Deutsche Bucht, bevor er ab dem Nachmittag beginnt, Südskandinavien anzusteuern. Das zugehörige Gewittersystem überquert den Norden und die Mitte am Morgen und Vormittag unter Abschwächung ost-nordostwärts, wobei anfangs aber noch Unwetter auftreten können. Dahinter strömt mit auf Südwest drehendem Wind etwas weniger heiße (T850 14 bis 11°C), vor allem aber stabilere und trockenere Luft in den Westen und Nordwesten. Bei wolkigem Wettercharakter bleibt es dort in Großen und Ganzen trocken bei maximal 25 bis 30°C, an der Nordsee lokal noch etwas darunter. In der Osthälfte scheint zunächst vielerorts die Sonne, bevor die Reste des o.e. Clusters in die östlichen Bundesländer ziehen. In Verbindung mit einer konvergenten Windstruktur, die wahrscheinlich aus einer Outflow-Boundary resultiert, können ab Mittag insbesondere zwischen Vorpommern und Sachsen einzelne teils kräftige Zellen ausgelöst werden. Ob es für lokale Unwetter reicht, muss abgewartet werden. Wenn, dann am ehesten durch etwas größeren Hagel und/oder Starkregen. Auf alle Fälle wird es nochmals bullig heiß mit Höchstwerten bis zu 36°C an der Grenze zu Polen. Im Süden sowie im zentralen Mittelgebirgsraum können bei 29 bis 35°C ebenfalls ein paar wenige Einzelzellen werden. Richtig interessant wird es wahrscheinlich aber erst ab dem späten Nachmittag bzw. in den Abendstunden, wenn von Ostfrankreich respektive der Schweiz her abermals ein organisierter Gewittercluster auf den Südwesten übergreift. Wieder ist ein KW-Trog beteiligt und ein zuvor sich über Süddeutschland bildendes flaches Tief (teil orografisch, teils diabatisch) sorgt für gute (Richtungs)Scherung. Außerdem wird, wenn sich das Tief beginnt zu lösen, eine rückseitige Druckanstiegswelle erzeugt, die neben einer Windauffrischung auch beim Auslösen von Konvektion mithelfen kann. Auf alle Fälle spricht Vieles dafür, dass es ordentlich zur Sache geht und die Palette der allgemein üblichen Begleiterscheinungen voll ausgeschöpft wird. Expressis verbis wären das großer Hagel, Starkregen und Böen bis in den Orkanbereich, wobei auch rotierende Wind nicht auszuschließen sind. In der Nacht zum Montag zieht das langlebige Gewittersystem über die mittleren Landesteile hinweg nord-nordostwärts, wobei es sich nur langsam abschwächt. Bis weit in die Nacht hinein zeigt z.B. SuperHD bogenförmige Strukturen in der Pseudoreflektivität. Trotzdem, irgendwann muss das System der ungünstigen Tageszeit Tribut zollen und an Dynamik einbüßen, was wiederum das Thema (extremen) Starkregen noch mehr in den Vordergrund rücken lässt, evtl. auch mehrstündig. So oder so, für die Nachtdienste wird´s eine ganz unangenehme Nacht mit viel Arbeit. Hinzu kommt, dass im Westen von Frankreich her ein weiteres kleines Tief übergreift, das an den KW-Trog gekoppelt ist. Es sorgt dort und später im Nordwesten für gewittrige Starkregenfälle, die mit zunehmender Nachtlänge zwar immer ungewittriger, aber nicht unbedingt schwächer werden. Auch hier ist also mit erhöhtem Warnmanagement zu rechnen. Montag ... überquert das flache Tief Norddeutschland ostwärts. Dabei kommt es im Norden am Morgen und am Vormittag noch zu teils gewittrigen Starkregenfällen, die sich aus dem nächtlichen Gewittercluster und den Starkregenfällen weiter westlich zusammensetzen. Rückseitig des Tiefs dreht der Wind von Südwest auf Nordwest bis Nord, wodurch von der Nordsee her kühlere und stabilere Meeresluft eingesteuert wird. Bis zum Abend sinkt T850 im gesamten Nordwesten auf 10 bis 7°C, wobei es bei wolkigem bis stark bewölkten Himmel gebietsweise immer noch mal regnen kann und nur noch Maxima von 19 bis 25°C erreicht werden. Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass der Höhentrog über Westeuropa einen kleinen Satz nach Osten macht, wodurch die südwestliche bis südliche Höhenströmung etwas zyklonalere Konturen annimmt. Außerdem wird die heiße Luft sukzessive nach Osten abgedrängt, so dass sich die Zone mit mehr als 30°C auf den Osten und Südosten beschränkt. Immerhin, im Grenzbereich zu Polen könnte es noch mal für 33 oder 34°C reichen. Zwar büßt die Warm- bzw. Heißluft etwas an Energie ein (nicht nur fühlbar, sondern auch latent), gleichwohl reichen die Bedingungen noch aus, um im Osten und Süden das eine oder andere Gewitter (lokal Unwetter) mit Starkregen, Hagel und Sturmböen zu initiieren. Für Details ist es freilich noch zu früh, was auch auf mögliche, von Frankreich und Belgien auf den Westen übergreifende Schauer oder Gewitter gilt. In der Nacht zum Dienstag beruhigt sich die Szenerie im Norden und Osten zusehends, weil der Druck von Westen her ansteigt und sich ein schmaler Bodenhochkeil vorarbeitet. Vielerorts lockert die Bewölkung gar auf und im nordwestdeutschen Binnenland kühlt es z.T. auf 10°C oder etwas darunter ab - also Fenster auf. Aber auch sonst ist die ganz große Nachthitze erstmal vorbei, zumindest treten keine Tropennächte mehr auf (Tmin > 20°C). Was nicht vorbei ist, ist die lästige Gewitterei. So werden mit der südwestlichen Höhenströmung nicht nur kurzwellige Troganteile nordostwärts gesteuert, von Süden nähert sich zudem eine zonal exponierte Tiefdruckrinne, in der es etwa bis in die südliche Mitte vorankommend zu Gewittern sowie gewittrigen und nicht-gewittrigen (Stark)Regenfällen kommt, bei denen z.T. auch das mehrstündige Starkregenkriterium zum Tragen kommt. Dienstag ... verbleiben wir auf der Trogvorderseite unter einer zyklonal konturierten, relativ schwachen südwestlichen Höhenströmung. Über dem nahen Atlantik hat sich mittlerweile das Azorenhoch in Stellung gebracht, von dem aus ein Keil bis zur Nordsee bzw. nach Norddeutschland gerichtet ist. Aus dem Hoch strömt mit nordwestlichem bis nördlichem Wind eine nur noch mäßig bis leicht kühl temperierte Meeresluft in den Norden (T850 meist 6 bis 10°C), in der es bei unterschiedlicher Bewölkung (am meisten Sonne im Nordosten) nicht mehr wärmer als 20 bis 25°C wird (direkt an der Nordsee noch etwas kühler). Anders die Situation im Süden und bedingt in der Mitte, wo die mit leidlich labil geschichteter und ausreichend feuchter (PPW 25 bis 35 mm) Luft gefüllte Rinne eine rege Schauer- und Gewitteraktivität garantiert. Dabei steht Starkregen vor Hagel und dann erst kommt der Wind. Obwohl die Luftmasse nicht mehr so energiereich ist wie die Tage zuvor, besteht lokale Unwettergefahr durch heftigen Starkregen. Die höchste Tagestemperatur wird im Osten und Südosten mit 24 bis 28°C erreicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Was die Details der bevorstehenden Gewitterschübe angeht, liegen sowohl beim Modellvergleich als auch bei der modellinternen Konsistenzbetrachtung nach wie vor Unschärfen vor. Von daher wurde in er Übersicht relativ allgemein argumentiert unter Berücksichtigung konzeptioneller Überlegungen. Im Falle des am Sonntagabend auf den Südwesten übergreifenden, nordostwärts ziehenden Gewittersystems sollte man am Sonntag über eine mögliche Vorabinfo nachdenken. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann